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Preisträger 2012 - Kategorie Hörfunk

Terry Albrecht

Beitrag:

Wo ist Böll? Dem guten Menschen von Köln auf der Spur

gesendet:

WDR 5
17. Juli 2010

Begründung der Jury:

"Der Böll", so hat Robert Gernhardt einmal gereimt, "der Böll wär' überhaupt erste Sahne, wären da nicht die Romane". Die Jury des Kölner Medienpreises hatte nicht über die Werke des Literaturnobelpreisträgers zu urteilen. Wohl aber über ein Radio-Porträt, das sich auf "die Spuren des guten Menschen von Köln" – so der Unter-Titel des Porträts – begeben hat. Der Autor der Sendung folgt diesen Spuren von der Vorkriegszeit bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, von der Kölner Südstadt bis nach Langenbroich in der Voreifel.

Böll und Köln – das ist ein zentrales Thema des Radio-Porträts. Die Beziehung des Dichters zu seiner Stadt war intensiv und produktiv, sie war aber auch zwiespältig und konfliktreich. Den Wiederaufbau des zerstörten Kölns empfand Böll als eine neue Art der Zerstörung, und zu den Eliten der Stadt hatte er ein ebenso kritisches Verhältnis wie zu den Eliten des Staates generell.

Die Stadt wiederum – auch das macht die Sendung deutlich – tat sich oft schwer mit diesem Dichter. Immerhin verlieh sie ihm, nach einigem parteipolitischem Hin und Her, 1982 die Ehrenbürgerwürde, und sie gründete ein Heinrich-Böll-Archiv. 2009 dann ging der gesamte Nachlass Bölls an das Historische Archiv der Stadt Köln. Wenige Wochen später stürzte das Archiv ein.

"Wo ist Böll" heißt die Sendung, die im Juli 2010 im Westdeutschen Rundfunk gesendet wurde. Dem Autor Terry Albrecht ist ein informatives und lebendiges Radio-Feature gelungen – mit vielen Stimmen und Tönen. Wir hören Touristen auf dem Heinrich-Böll-Platz, wir hören Weggefährten und Schriftstellerkollegen, und immer wieder hören wir die Stimme Bölls, der auf der Suche war "nach einer bewohnbaren Sprache in einem bewohnbaren Land".

 

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